Perfins

Was sind eigentlich Lochungen und Perfins?

Briefmarken, die von Firmen oder Behörden zur Diebstahlsicherung mit Buchstaben, Symbolen oder
Zahlen gelocht wurden, nennt man in der deutschen Philatelie „Lochungen“. International werden sie als „Perfins“ bezeichnet, aber auch in Deutschland setzt sich dieser Begriff immer mehr durch. „Perfin“ ist eine Verkürzung aus „Perforierte Initialen“ und bezeichnet viele Arten von Lochungen.

Wozu wurden Briefmarken gelocht?

Manche Betriebe hatten einen hohen Bedarf an Briefmarken und demnach einen großen Bestand an Postwertzeichen. Briefmarken galten früher als Zahlungsmittel. Man konnte sie bei der Post wieder abgeben und erhielt das Geld zurück. Das verleitete aber manche Leute zum Diebstahl der Marken bei ihrem Arbeitgeber. Um das zu umgehen, beschlossen die Firmen, ihre Bestände zu kennzeichnen. Eine
Abstempelung war zu unsicher, ein Überdruck zu teuer. Also begann man zu lochen. Jetzt konnten die Marken nicht mehr bei der Post zurückgegeben oder als Zahlungsmittel verwendet werden.

Stellung der Lochung

Die Lochungen sind nicht immer in Leserichtung angebracht. Viele sind seitenverkehrt, kopfstehend oder um 90° gedreht. Das liegt einfach daran, dass der Mitarbeiter des Verwenders, der die Lochung angebracht hat, nicht immer sorgfältig und einheitlich gearbeitet hat. Manchmal legte er die Marken mit der Bildseite nach oben, manchmal mit der Rückseite nach oben in die Stanze ein, oder er drehte die Marken in verschiedene Richtungen. Häufig wurde auch ein Bogen oder eine größere Einheit gefaltet und dann mehrere auf einmal gelocht. Durch diese Stapellochung wurden aber oft Schäden an den Stanzstiften verursacht oder einzelne Marken nicht vollständig gelocht.

Wer lochte Briefmarken?

Größere Firmen und Behörden nutzten das Lochungssystem. Das waren vor allem Industriebetriebe, Banken, Handelsunternehmen und Behörden. Die Polizei hatte sogar spezielle, sogenannte „POL-Lochungen“.

Bestimmung einer Lochung und des Verwenders

Wenn man eine gelochte Briefmarke in Händen hält, ist es einfach, sie mit den Abbildungen im Katalog zu vergleichen und so die Lochung genau zu bestimmen. Zu beachten ist, dass es viele ähnliche Lochungen gibt, mit verschiedenen Größen und Lochanzahlen.

Firmen oder Behörden, die Lochungen benutzten, nennt man „Verwender“. Für die Sammler ist es sinnvoll, wenn man die Verwender seinen Perfins zuordnen kann. Die meisten Verwender wurden von der ArGe bereits erkannt und im Katalog verzeichnet. Aber immer noch tauchen neue Verwender auf.

Wenn es von einer Lochung mehrere Verwender gibt, sollte der Ortsstempel auf der Marke gut lesbar sein. Erst dann kann man die Lochung zuordnen. Das Beste ist jedoch, einen Beleg, auf dem der Absender abgedruckt ist, vorliegen zu haben.

Wie viele Perfins gibt es?

In Deutschland wurden bis jetzt über 14.000 verschiedene Lochungen und mehr als 21.000 Verwender katalogisiert. Die Differenz zwischen den beiden Zahlen entsteht dadurch, dass es einige Lochungen gibt, die exakt gleich sind, jedoch von mehreren Betrieben verwendet werden.

International ist das sehr unterschiedlich. Sehr viele Perfins gibt es zum Beispiel in England, den USA, Belgien und anderen Ländern. In Finnland sind es gerade mal 11 verschiedene bekannte Lochungen.

Wo wurden Perfins verwendet?

Fast in allen Ländern der Welt wurden Briefmarken mit Lochungen versehen. In manchen Ländern wird noch heute eifrig gelocht (England, Belgien, USA und andere). 

Wann wurden Perfins verwendet?

In England wurden Perfins etwa ab 1860 verwendet, also schon 20 Jahre nach der Ausgabe der ersten Briefmarken. Das dürften die ersten Lochungen der Welt gewesen sein. In Deutschland erlaubte das Kaiserliche General-Postamt im Jahr 1876 die Lochung von Briefmarken.

Die Deutsche Bundespost untersagte dann aber ab dem 1.1.1966 die Lochung der Postwertzeichen. In anderen Ländern ist die Verwendungszeit von Perfins sehr unterschiedlich. In vielen Ländern ist es mittlerweile nicht mehr erlaubt. In anderen wird zur Zeit immer noch gelocht.

Wert der Perfins

Den Wert einer Lochung zu bestimmen, ist sehr schwer, denn es gibt keine Informationen, wie viele Lochungen die einzelnen Betriebe hergestellt haben. Man kann lediglich den Wert der normalen Briefmarke bestimmen, zuzüglich eines Zuschlags für die Lochung. Langjährige Sammler wissen natürlich, welche Lochungen selten und welche reine Massenware sind. Das sind aber nur gefühlte Wertungen und keine exakten Berechnungen. Ein Vergleich mit den angebotenen Marken auf den Handelsplattformen ist auch mühsam und ungenau, weil manche Verkäufer human in ihrer Preisgestaltung sind, während bei anderen eher die finanziellen Interessen überwiegen.

Wie wurden die Lochungen hergestellt?

Für das Lochen von Briefmarken gab es diverse Geräte. Die Firmen Sloper, Poko, Michelius und andere stellten kleine Handgeräte für die Einzelstanzung, aber auch große Tischgeräte für eine Mehrfach- oder Rollenstanzung her. 

Mit dieser kleinen Stanze wurden Briefmarken einzeln gelocht. Es gab sie ähnlich von diversen Herstellern.

Diese beiden großen Stanzen wurden natürlich von sehr großen Firmen bevorzugt, weil man damit eine Menge an Perfins produzieren konnte. Auch ganze Markenrollen konnten eingespannt werden. Bei manchen Geräten wurde auch gleich befeuchtet und aufgeklebt.

Lochungen die keine sind

Es gibt auch Lochungen die aber keine Firmen- oder Behördenlochungen sind, also keine Perfins:

  • "Muster"
  • "Specimen"
  • Kaigeldmarken
  • Gebührenmarken der Polizei
  • Auf Marken der Badischen Staatseisenbahnen
  • Auf Notgeldmarken
  • Auf Frachtstempelmarken
  • Posteingangslochungen
  • Entwertungslochungen durch Postanstalten

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